Jubiläumskonzert mit Prof. Bruno Oberhammer - Die Höchster Rieger-Orgel wird 60 Jahre alt.

Mo
11. Mai
2026
Beginn
20:15
Ende
22:00
Veranstaltungsort
Kirchplatz 10, 6973 Höchst, Österreich

Die Veranstaltung

Die Höchster Rieger-Orgel jubiliert: Sie wird 60 Jahre alt

Das Jubiläumskonzert setzt als 21. Konzert die Reihe WEGE BACHS fort.
In den Veranstaltungen der Reihe WEGE BACHS werden bekanntlich Kompositionen verschiedener Meister, welche vor Johann Sebastian Bach (1685 – 1750) oder nach ihm gelebt haben, zum Schaffen des größten Meisters der europäischen Musik in Beziehung gesetzt, und zwar anhand bestimmter Themen.

Dieses Jubiläumskonzert spürt entlang von fünf Sonaten, in deren Mitte eine Trio-Sonate von Johann Sebastian Bach steht, den unterschiedlichen musikalischen Gestaltungsprinzipien nach:
wie sind die betreffenden Meister vom Denken des Johann Sebastian Bach beeinflußt worden, was hat Johann Sebastian Bach von seinen Vorfahren gelernt.
Bei diesem Konzert treffen also der als großer Verehrer und Wiederentdecker von Johann Seb. Bach bekannte Felix Mendelssohn-Bartholdy, der lustige Benediktinerpater Franz Xaver Schnizer aus Ottobeuren, Joseph Alois Holzmann als der hochgeachtete Chef der Kirchenmusik von Hall und der ebenfalls aus Tirol stammende und in München sehr erfolgreiche Ludwig Thuille auf ihren (geheimen) Mentor Johann Sebastian Bach.
Sie alle zeigen sich in ihren Werken als durchwegs sehr originelle Meister, was ihre Wiederaufführung mehr als rechtfertigt - und gebündelt ein interessantes Konzertprogramm zu ergeben vermag.

Am 19. März 1966 hat der damalige Höchster Pfarrer Consiliarius Emil Lang die neue große Rieger-Orgel der Pfarrkirche St. Johann geweiht und ihrer Bestimmung übergeben.
29 Jahre war Consiliarius Lang Pfarrer von Höchst, nachdem er zuvor Pfarrvikar in der 1905 bis 1908 errichteten Bregenzer Herz Jesu-Kirche und Religionsprofessor an den Marienberger Schulen gewesen war.
Als Pfarrvikar der Bregenzer Herz Jesu-Kirche hatte Pfarrer Lang Erfahrungen mit dem Neubau einer Orgel machen können, denn in den Jahren 1930 und 1931 hatte der Schwarzacher Orgelbauer Josef Behmann seine zweitgrößte Orgel in diese Kirche eingebaut.

In den Jahren 1908 bis 1912 wurde die neue Höchster Pfarrkirche nach Plänen des Schweizer Architekten Albert Rimli im neobarocken Stil errichtet, als der größte und prächtigste Sakralbau dieser Stilrichtung im Bodenseeraum.

Anfangs der 1920er Jahre, also in einer materiell schwierigen Zeit, wurde von der Feldkircher Orgelbaufirma Gebrüder Mayer eine pneumatische Orgel auf der Höchster Orgelempore aufgestellt, welche aber immer wieder und je länger desto mehr repariert werden mußte.
Anfangs der 1960er Jahre wurde klar, daß dieses fortwährende Reparieren keinen Sinn mehr machte und an einen kompletten Orgelneubau zu denken war.

Dieses Bauprojekt machte sich Pfarrer Emil Lang zu einem Herzensanliegen: er wollte gewissermaßen zum Abschluss seiner langjährigen Dienstzeit als Pfarrer von Höchst und vor seinem Ruhestand, den er dann tatsächlich mit über 81 Lebensjahren auch antrat, „seiner“ Höchster Pfarre zu einer neuen großen Orgel verhelfen.

Die anfänglichen Schwierigkeiten überwand er auf seine originelle Art: Wie meistens bei solchen Großprojekten gab es auch bei diesem Bauprojekt Parteiungen und Streitereien über das Dafür und Dagegen, welche dem resoluten Pfarrer Lang nicht verborgen blieben. All dem machte er, der für seine direkte und treffsichere Ausdrucksweise und Schlagfertigkeit berühmt war, mit einer knappen Orgelpredigt ein Ende. In ganzen drei kürzestmöglichen Hauptsätzen erklärte er die Notwendigkeit eines Orgelneubaues – und auch seinen Willen dazu. Indem er von der Kanzel aus auf die nicht mehr zu reparierende alte Orgel zeigte, sagte er wörtlich: „Diese Orgel hat den Krebs. Sie ist unheilbar. Wir brauchen eine neue!“
In und mit diesen drei Hauptsätzen war alles gesagt, und einem Neubau stand fortan nichts mehr im Wege.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges mußten auf Grund der sog. Benesch-Dekrete alle Deutschstämmigen die wiedererstandene Tschechoslowakei verlassen. So auch die 1845 in Jägerndorf von Fritz Rieger gegründete und international sehr erfolgreiche Orgelbaufirma Rieger. In den Werkstätten der verwaisten Orgelbaufirma Behmann - Josef Behmann war schon 1932 verstorben – konnte DI Josef von Glatter-Götz, damaliger Chef der Fa. Rieger, in den späten 1940er Jahren mit seiner Belegschaft einen neuen Betrieb einrichten und eine neue Orgelbauerkarriere starten.
Ihm bzw. seiner Firma wurde der Neubau einer großen Orgel für die Höchster Pfarrkirche anvertraut. Ihre Höchster Orgel sollte für längere Zeit auch das Renommier- bzw. Präsentierinstrument für Organisten und Orgelfachleute aus aller Welt werden – und war es denn auch.

Seit dem 19.März 1966 „funktioniert“ dieses großartige Instrument bis auf den heutigen Tag problemlos, was die Definition einer exzellenten Orgel bestätigt bzw. erhärtet: eine Orgel ist dann wirklich gut, wenn Technik, Optik und Akustik des betreffenden Instrumentes auf einem sehr hohen Niveau zusammenfinden; wenn also ihr Bau, ihr äußeres Erscheinungsbild und ihr Klang optimal gestaltet sind.

Der Schwarzacher Architekt DI Dietmar Oberbacher sorgte für ein wunderbares, auf den neobarocken Stil des Kirchengebäudes fein abgestimmtes Äußeres dieser Orgel, so gut nämlich, dass BesucherInnen diese Orgel gerne ins Barockzeitalter positionieren wollen.

Für den auch in der maximalen Lautstärke immer noch warmen und transparenten Klang dieses Instrumentes sorgte in monatelanger und trotz winterlicher Temperaturen hingebungsvoller Arbeit Siegfried Laible als der damalige Chefintonateur der Firma Rieger.
Siegfried Laible war auch ausgebildeter Violinspieler, was ihm sicherlich zur Entfaltung ganz besonderer Fähigkeiten beim Intonieren der Pfeifen verholfen hat.

Der Klangreichtum der Höchster Orgel ist enorm. Denkt man an die Kombinierbarkeit der einzelnen Register dieses Instrumentes, so kommt man rein rechnerisch auf eine unvorstellbar große Zahl mit 59 Stellen, nämlich auf die Zahl 283365924821240815392454618108547832716554907228125696.
Das ist ein Klangvorrat für Generationen von Organisten und Zuhörern, der in einem einzigen Konzerten nicht einmal angedeutet werden kann!

Text: Prof. Bruno Oberhammer

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Quelle Datacycle

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Kirchplatz 10, 6973 Höchst, Österreich

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